Aktuell anfallende Arbeiten am Bienenvolk

Die Bienen hatten etliche millionen Jahre Zeit, sich auf ihre Umwelt einstellen zu können, weshalb sich auch regional verschiedene Unterarten (Rassen) ausgebildet haben, die sich optimal an die entsprechenden Bedingungen angepasst haben. Bienen im äquatorialen Bereich benötigen z.B. keine Überwinterungsstrategien ganz im Gegensatz zu hiesigen. In den letzten wenigen hundert Jahren dagegen hat der Mensch immer stärker in den Prozess der natürlichen Auslese eingegriffen und versucht, diese Tiere entsprechend seinen Bedürfnissen auszurichten. Manchmal gelingt ihm der ganz große Wurf: Eine der überlebensfähigsten Rassen ist eine Kreuzung zwischen der europäischen mit einer afrikanischen Honigbienenrasse. Diese "Killerbiene", wie sie gerne genannt wird, breitet sich rasch über den amerikanischen Kontinent aus und verdrängt die anderen dort vorkommenden Rassen. Manche Imker halten sich gern zumindest ein Volk dieser neuen Art an jedem ihrer Bienenstandorte: Sie sind weitaus resistenter gegen die Varroa und wegen ihrer ausgesprochen aggressiven Art gibt es kaum noch Schäden durch Vandalismus dort zu verzeichnen.

Auch wenn die Honigbiene ihre ursprünglichen Merkmale und Verhaltensweisen trotz des menschlichen Einflusses größtenteils erhalten haben, kommen sie dagegen ohne menschliche Hilfe in unserer aufgeräumten Landschaft nicht mehr aus. Auch um bestimmte Verhaltensweisen zu formen oder um Arbeiten einfacher verrichten zu können, sind etliche imkerliche Maßnahmen nötig.

Aktuell anfallende Arbeiten 2020

Vergleiche aber mit Betriebsweise

Anfang Frühling muss ab und zu durch vorsichtiges Anheben der Beuten ermittelt werden, ob genug Futter vorhanden ist. Notfalls muss nachgefüttert werden.

Jetzt nutze ich die Zeit, Rähmchen zu ergänzen, ggf. auszuschmelzen und zu reinigen oder zu reparieren, Mittelwände zu gießen und einzulöten, Beuten wieder auf Vordermann zu bringen oder neu zu erstellen, so dass ich im Frühjahr ausreichend Materialien zur Verfügung habe.

Mitte März alle Mäuseschutzgitter entfernen, Fluglöcher ggf. freilegen. Gewichtskontrolle, ev. Notfütterung durchführen.

Bei verkoteten Beuten besteht ein starker Verdacht auf Nosema, eine bakterielle Infektion des Darmbereichs. Alles Wachs einschmelzen, sämtliche Rähmchen, Böden und Zargen der betroffenen Beuten mit 100 Grad heißem Dampf oder gleich warmen Wasser desinfizieren. Wer sich Arbeit ersparen will, kann die Rähmchen auch verbrennen und auf neue zurückgreifen.

Als ich noch Styroporbeuten hatte, habe ich darüber hinaus all ihre Bereiche, die die Bienen berühren könnten, mit einer lebensmitteltauglichen Farbe überstrichen. Bei unseren Holzbeuten nehme ich Bienenwachs und arbeite es mit einem Heißluftföhn ins Holz im Innenbereich ein. Sporen, Keime, Viren, Bakterien und Pilze werden so getötet und isoliert. Ob das jedoch bei der Amerikanischen Faulbrut ausreicht, glaube ich nicht, wird aber dazu beitragen, etliche Keime zu isolieren und zu binden.

Ist noch gut Leben in der durch Kotspritzer gezeichneten Beute (ich meine aber nicht die Wachsmotte!), könnte man das Volk weitab von anderen in desinfizierten Beuten isoliert aufstellen. Falls es sich um eine harmlosere Form einer Darmerkrankung handelt, z.B. durch falsches Winterfutter verursacht, könnte sich dieses Volk durchaus noch erholen. Mindestens über den nächsten Winter sollte es dort isoliert stehen bleiben!

Dieses Volk und auch die Waben daraus, auf keinen Fall einem anderen zugeben!!!!!!!!!!!!

 

Den Flugbetrieb beobachten. Sind viele Pollensammlerinnen zu sehen, deutet dies auf ein intaktes Volk hin. Falls nicht, Brut überprüfen. Es müssen Stifte, Larven und verdeckelte Brutfelder zu sehen sein. Jetzt dürften etliche Winterbienen gestorben sein, aber dadurch, dass täglich immer mehr Bienen schlüpfen, wird das Volk auch immer stärker.

Anfang April:

Zumindest einräumige Völker prüfen, ob noch genug Platz für die Bienen vorhanden ist, ggf. erweitern

Schwache Völker durch geeignete Maßnahmen stärken oder auflösen (vereinigen).

24. April 2020:

Kurze Durchsicht. In allen kontrollierten Völkern sind Brut und Stifte vorhanden. Weiselzellen sind nicht zu erkennen.

26. April 2020:

Meine Völker werden nun genauer durchsucht.

Die Brutwaben werden mittig angeordnet. Leere und dunkle Waben werden entfernt und durch hellbraune leere Waben ersetzt. An die 3. Position von rechts (auf der Rückseite der Beute stehend) kommt ein Leerrähmchen. Dies wird bei stärkeren Völkern schnell mit Drohnenwaben ausgebaut. 

Diese Bienen bekommen nun eine weitere Zarge. Stehen den Bienen unten noch ausreichend leere (erneuerte) Waben zur Verfügung, werden diese Zargen als Honigräume genutzt und mit einem  Trenngitter versehen. 

3. Mai 2020.

Alle Völker habe ich auf Weiselzellen hin durchgesehen, aber keine gefunden.

Es ist jetzt durchaus Schwarmzeit. Dass bei mir noch keine Weiselzellen zu finden waren, kann mehrere Gründe haben:

1. Das Frühjahr war recht kalt, so dass die Bienen noch keine größeren Brutfelder angelegt haben und so erst später eine ausreichende Volksstärke erreichten.

2. Meine Bienen sind schwarmträge.

3. Genetisch bedingt kommen sie erst später in Schwarmstimmung.

Die Schlussfolgerung daraus: An anderen Standorten kann dies deutlich anders aussehen. Also in regelmäßigen Abständen (Max. 9 Tage!) die Völker kontrollieren.

Einige Drohnenwaben habe ich ausgeschnitten und wieder zurück gegeben, bzw. durch leere Rähmchen ergänzt.

10. Mai 2020:

Durchsicht. Bei 2 meiner Völker habe ich Weiselzellen gefunden. Die nutzte ich zur Ablegerbildung. Da diese jedoch von leicht aggressiven Völkern stammten, habe ich die Weiselzellen ausgebrochen und durch Wabenstückchen mit Stiften aus "guten" Völkern ergänzt.

17. Mai 2020:

Durchsicht. Bis auf ein Volk haben alle anderen Schwarmzellen gebildet. Gut geeignetes Zuchtmaterial verwende ich für die Bildung von Ablegern.

Herrscht bei einzelnen Völkern Platzmangel, erweitere ich mit einem Honigraum. Hier gebe ich Mittelwände bzw. Leerrähmchen  und Rähmchen mit ausgebauten Waben vor.

Verdeckelte Drohnenbrutfelder werden ausgeschnitten, dunkle Brutwaben werden im unteren Brutraum angeordnet und dort werden unbebrütete dunkle Randwaben entfernt und durch hellere Waben oder durch Mittelwände ergänzt.

18. Mai

Beratungsgespräch wegen eines in den Schornstein eingezogenen Schwarms.

19. Mai 2020

Ein Schwarm hat hinter einer Hausfassade ein neues Domizil bezogen. Ein Braunschweiger Imker hat vergeblich versucht, alle Zugänge zu verstopfen, um so das Volk abzutöten. Da immer noch ein reger Flugbetrieb herrschte, habe ich den Hauptzugang wieder freigelegt und die meisten Flugbienen vorsichtig in einen Zwischenbehälter gesaugt. Dieser Vorgang wird in 2 Tagen wiederholt. Dadurch wird der Flugbetrieb für die Anwohner auf ein erträgliches Maß reduziert und das Volk kann trotzdem noch eine gewisse Weile überleben. Die eingefangenen Bienen werden in unmittelbarer Nähe eines schwachen Volkes freigelassen.

20. Mai 2020:

Mit Wärme desinfizierte Rähmchen werden repariert, gesäubert und mit Mittelwänden bestückt.

21. Mai2020:

3 Schwärme wurden gemeldet. Zwei davon hatten sich bereits hinter dicken Sandsteinblöcken bzw Backsteinen im Haus eingenistet. Der Versuch, die zweibeinigen Bewohner dazu zu überreden, die Bienen einfach dort zu belassen, scheiterte. Da die Tierchen gerade erst eingezogen waren, sollte der Versuch unternommen werden, mit Rauch die Bienen vom Auszug zu überreden. Erfolgsaussichten: Sehr gering.

Der 3. Schwarm saß am Baumstamm in 1,80 m Höhe in einer perfekten Form. 

Mit einem Besen konnte ich ihn einfach in einen Eimer abfegen. Die Königin war rot gezeichnet (steht für Geburtsjahr 2018).  Alle!! Bienen sahen genau gleich aus. Es musste sich also um eine absolut reinrassige Königin handeln, die auf einer Belegstelle befruchtet wurde! Die Bienen verhielten sich sehr ruhig und nicht eine hat mich gestochen. Von diesem Volk werde ich wahrscheinlich nachziehen.

23. Mai 2020:

Der Schwarm wird am späten Nachmittag in eine mit Mittelwänden und Leerrähmchen ausgestattete Zarge geschüttet. Ihr Boden ist mit einem Absperrgitter abgedichtet, so dass der Schwarm nicht wieder flüchten kann. Eine Woche später werde ich das Absperrgitter entfernen, damit auch die Drohnen ausfliegen können.

24. Mai 2020:

Durchsicht. 

Alle Schwarmzellen werden ausgebrochen, verdeckelte Drohnenbrutfelder ausgeschnitten.

Nur ein Volk hatte wenige Stifte, aber einige Nachschaffungszellen. Vor dem Flugloch sah ich einen Knäuel einiger Bienen. Sie umringten eine im Gras liegende Königin! Hier belasse ich die Weiselzellen im Volk, damit es sich eine neue Königin nachziehen kann.

Wenn ein Volk so stark ist, dass es die Beute gut ausfüllt, erweitere ich mit einem weiteren Honigraum. 

25. bis 30. Mai 2020:

Jedesmal, wenn ich etwas Zeit erübrigen kann, stelle ich Rähmchen für meine Ablegerkästen her und versehe sie mit Mittelwänden. Da ich 2 sehr gute Königinnen habe, eine davon reinrassig, möchte ich einige Töchter von ihnen als Königin für weitere Ableger bzw. zum Umweiseln nachziehen. Ausnahmsweise verwende ich hier ein anderes, in diesem Fall kleineres Maß als  DN. So kann ich die Ableger kleiner halten und muss die Masse der Pflegebienen nicht so hoch wählen. Trotzdem ist das Maß groß genug, dass das Minivolk in diesen Beuten überwintern könnte. Will ich die Rähmchen ins Standmaß übernehmen, muss ich die kleinen Rähmchen nur in den größeren mit Holzschrauben fixieren.

30. Mai

Der Schleuderplatz wird vorbereitet, Fliesen und Auffangbehälter werden gesäubert. Vergleiche mit Honig ernten - Honig sieben.

1. Juni 2020:

 Honig wird geerntet gleichzeitig gekoppelt mit einer Durchsicht. Heute nachmittag wird geschleudert. Der Honig kommt ungesiebt in einen Behälter mit unten liegendem Quetschhahn.

Hier lasse ich ihn ca. 24 Stunden ruhen. Luftblasen und die meisten Wachsteilchen steigen an die Oberfläche, so dass bereits jetzt eine gute Klärung erreicht wird. Erst nach dieser Zeit, am

2. Juni 2020

lasse ich ihn durch ein engmaschiges Edelstahlsieb fließen. Anfangs kann das Wachs das Sieb nicht verstopfen, so dass die ganze Charge in einem Rutsch durch das Sieb fließt. Erst im Rest des Honigs ist viel Wachs enthalten. Da es das Sieb verstopfen kann, schließe ich den Hahn etwas, so dass nur noch wenig Honig- Wachsgemisch fließen kann. Das im Sieb aufgefangene Gemenge kann nun weitgehend voneinander getrennt werden.Honig ernten - Honig sieben. Die restlichen "Honigsümpfe" werden zusammen gegossen und können wiederum klären. Dieser gewonnene Honig darf die Bezeichnung Frühjahrsblütenhonig oder Honig aus der Region Goslar haben. Das erste Mal in meinem Leben hatte der Honig aus allen Völkern eine gut erkennbare Braunfärbung. Dies legt nahe, dass bereits im Frühling  Blatthonig von den Bienen eingetragen wurde. Feine klebrige Spritzer auf der Windschutzscheibe untermauern diese Annahme.

3. Juni 2020 Völker

Alle abgeernteten Völker erhalten die ausgeschleuderten Waben zurück. Die jetzt erst erstarkten Völker erhalten einen Honigraum.

5. Juni 2020

Der Honig aus Vienenburg beginnt, aus zu kristallisieren. Er wird gerührt.

8. Juni 2020

Durchsicht der Völker. Einige wenige Weiselzellen werden entfernt. Bei diesen Völkern kontrolliere ich genauer, ob alles in Ordnung ist. Ein letztes Mal werden verdeckelte Drohnenzellen ausgeschnitten.

15. Juni 2020

2 Völker hatten volle Honigräume. Da ein Schleudern noch nicht lohnt, habe ich ihnen etwa die Hälfte der Honigwaben entnommen und diese in relativ leere Honigräume gehängt. Die jetzt frei werdenden leeren Waben kamen in die "bestohlenen" Völker.

2. Juli 2020

Volle, gut verdeckelte Honigwaben werden entnommen und ausgeschleudert und am nächsten Tag zurück gehängt.

9. Juli 2020

Die Völker werden nun nur noch daraufhin kontrolliert, ob alles stimmt. Einen frisch gefangenen Schwarm habe ich nach 2 Tagen Kellerhaft einem schwachen Volk zugeschlagen: Auf die einzige Brutzarge wird ein Absperrgitter gelegt, eine Zarge, gefüllt mit Mittelwänden und Rähmchen mit Anfangsstreifen, darauf gestellt und den Schwarm dort hinein geschüttet. Schlüpfen oben die ersten Drohnen, wird das Absperrgitter heraus genommen also in gut 3 Wochen.

16. Juli 2020

Heute wird geerntet. Fast alle reifen Honigwaben werden entnommen und die Völker werden eingeengt:

Bei 2 Honigzargen wird eine vollständig entfernt, und die verbliebene wird mit einigen ( 3 bis 5) unreifen Honigwaben und am nächsten Tag mit weiteren ausgeschleuderten Waben ausgestattet.

Bei einer Honigzarge werden nur die unreifen Honigwaben hineingehängt. War diese Zarge jedoch richtig voll mit reifem Honig, erhalten sie auch ausgeschleuderte Waben zurück.

Einige Völker werden ausgesucht, die jetzt noch Honigräume mit relativ vielen unreifen Honigwaben enthalten. Sie sollen alle honigfeuchten Waben, das Entdeckelungswachs und ggf. den Tröpfelhonig auslecken. Vielleicht ist hier noch der letzte Honig zu ernten?

 

18. Juli 2020

2 Völker sollen die ausgeschleuderten Waben auslecken. Ausgewählt wurden 2 Völker, die noch einige noch über nicht ganz voll getragene Honigwaben verfügten.

 

23. Juli 2020

Alle Völker werden auf ein oder 2 Zargen eingeengt (nicht das Volk am Rammelsberg). Dabei werden alle brutfreien (oder die, welche nur wenig verdeckelte Brut enthalten) dunklen Waben entnommen und mit Waben mit Honigkränzen und (oder)  Pollen ergänzt (hier kann man sich überlegen, ob nicht alle verdeckelten Brutwaben entnommen werden zur biologischen Varroabekämpfung).

 

26. Juli 2020

 Im heißen Wasserbad werden die mehrfach bebrüteten Waben ausgeschmolzen. Von den 2 Völkern (18. Juli) werden nun die reifen restlichen Honigwaben  entnommen. Alle Honigwaben werden ausgeschleudert und dem Volk am Rammelsberg zum Auslecken überlassen.